Die meisten von uns verbinden den Begriff “ePaper” unweigerlich mit einem kleinen Gerät, auf dem sich Bücher im Urlaub papierlos lesen lassen. Doch die Technik hat inzwischen das nächste Level erreicht. Die Zeiten von kleinen Schwarz-Weiß Displays, die reine Textinhalte in verschiedenen Graustufen abbilden können, ist Geschichte. Der Grundstein für eine bunte Zukunft ist gelegt. Die ersten ePaper-Displays mit Farbe sind auf dem Markt. Die Frage ist, ob es diese Screens tatsächlich mit den bisherigen Technologien aufnehmen können. Eins sei an dieser Stelle jedenfalls erwähnt: ePaper Display beschreibt heute weit aus mehr als das 6’’-Display eines eBooks!

4 positive Eigenschaften von ePaper-Displays

1. Stromsparende Technik
Was diese Technologie so besonders macht, ist seine Energieeffizienz. Im Vergleich zu herkömmlichen LCD-Screens sinkt der Stromverbrauch bei den ePaper-Displays um beachtliche 99%. Gerade bei Informationstafeln, auf denen sich der Inhalt nur selten ändert, entstehen hohe Nutzungspotenziale. Dazu zählen Digital Signage Projekte wie sie in Krankenhäusern, Museen, Supermärkten oder im Nahverkehr verwendet werden. Der Grund für diese sparsame Technik ist schnell erklärt: Die Geräte stellen den Stromverbrauch ein, sobald die entsprechende Information angezeigt wird. In regelmäßigen Abständen wird diese Information refresht, doch auch dieser Energieaufwand ist relativ gering. Dadurch kann ein ePaper-Bildschirm mit Batterien oder Solarzellen betrieben werden. Die Laufzeit kann so auf einen langen Zeitraum ausgedehnt werden.

2. Robuste Schale, ganz flexibel
Aufgrund der überwiegend auf Kunststoff basierenden Komponenten, sind die Monitore besonders witterungsbeständig. Hinzu kommt, dass sie in ihrer Form flexibel sind. Eigenschaften die Outdoor-Installationen im Digital Signage Bereich erleichtern. So können verschiedene Designs realisiert werden, die zudem Wind und Wetter trotzen.

3. Gute Lesbarkeit
Ihrem Ursprung (eBook) verdanken die Displays, dass sie in puncto Lesbarkeit eine gute Figur machen. Denn das war schließlich die Idee hinter der Entwicklung. Ein Bildschirm, der ohne Hintergrundbeleuchtung die gleiche Lesbarkeit wie ein bedrucktes Papier liefert. Selbst bei direkter Sonneneinstrahlung kann mit den Bildschirmen ein brauchbares Bild erzeugt werden. Die Auflösung von 150 dpi sorgt bei monochromen Displays für dieses Ergebnis. Doch eins ist klar: Farbbilder und Übergänge sind bei diesen Screens noch Schwachstellen, die es zu beheben gilt. Daher bietet die Technik bei der Darstellung von Imagevideos bisher keine wirkliche Alternative zu der Qualität gegenüber LCD-Screens.

4. Eine Frage des Betrachtungswinkels
Ein weiterer Pluspunkt für Digital Signage Anwendungen, ist der zur Verfügung stehende Betrachtungswinkel. Je größer dieser ist, desto besser kann die auf dem Medium abgebildete Information von verschiedenen Standpunkten aus wahrgenommen werden. ePaper-Displays ermöglichen dank einem Winkel von 180 Grad, horizontal wie auch vertikal, eine große Nutzungsmöglichkeit.

Digital Signage auf der Autobahn

Nicht nur die oben genannten Eigenschaften klingen interessant. Hinzu kommt, dass besonders in Europa, einige Gesetze den Einsatz von Outdoor Digital Signage Installationen durch ihre Vorgaben einschränken. Zum einen betreffen die Regularien die Erzeugung von elektromagnetischen Feldern, zum anderen geht es um den Einsatz von lichttechnischen Einrichtungen. Elektromagnetische Felder werden von herkömmlichen LCD- und LED-Displays erzeugt. Außerdem zählen diese Modelle zu der Kategorie der lichttechnischen Einrichtung. Diese sind beispielsweise im öffentlichen Straßenverkehr verboten.
Anders sieht die Verwendung von ePaper-Monitoren aus. Da diese keine LCD- oder LED-Technik beinhalten und nicht von alleine leuchten müssen, dürfen sie im Straßenverkehr eingesetzt werden. Das hat sich die Firma RoadAds zu Nutzen gemacht. Ihr Konzept: Die Rückseite von LKWs mit einer Installation, bestehend aus mehreren ePaper-Displays, auszustatten. Das Ergebnis: Rollende Werbe- und Informationsmedien.

Das Besondere an dieser Idee liegt im Detail. Der Inhalt der Displays kann entsprechend der aktuellen Position des Trucks angepasst werden. Dafür werden die Daten über eine Online Plattform an die jeweiligen Bildschirme übermittelt. Mit Hilfe von GPS kann der Standort eines LKWs bis auf 5 Meter genau bestimmt werden. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit Werbung einem vordefinierten Ort zuzuteilen. So kann ein regionaler Anbieter seine Produkte bewerben, kurz bevor der Sattelschlepper die Ausfahrt zum Geschäft passiert. Möchte ein Anbieter auf einer internationalen Route Werbung schalten, kann der Inhalt bei Grenzüberschreitung der Landessprache angepasst werden. Es heißt, die Displays werden nach Schutzklasse IP65 verbaut. Damit können die Trucks trotz einer solchen Installation weiterhin durch die Waschstraße gefahren werden. Die Bildschirme werden davon nicht beschädigt. Die Weichen sind gestellt und so sollen ab Juni 2017 die ersten LKW mit der informativen Rückseite auf unseren Straßen zu sehen sein.

Eine farbenfrohe Zukunft?

Aktuell hat der Markt erst wenige farbige ePaper-Displays hervorgebracht. Doch die Nachfrage ist da. Die Krux besteht bis dato in der technischen Umsetzung. Wichtig ist dabei, die Energieeffizienz und die Bildpunkte beizubehalten. Bis vor Kurzem wurden Farben durch Filter erzeugt. Diese waren vor dem Schwarz-Weiß Bildschirm angeordnet. Dadurch wurden die Bildpunkte reduziert und die Qualität der Bilder nahm ab.
Inzwischen gibt es einen ePaper-Screen in 32’’, der mithilfe von Farbpigmenten immerhin 42000 Farben wiedergeben kann. Farbige, elektrisch geladene Teilchen, die in einer Flüssigkeit schwimmen, erzeugen so das Motiv. Der Energiebedarf bleibt gleich: Der Bildschirm benötigt nur so lange Strom, bis das entsprechende Bild zu sehen ist. Die Entwicklung ist ein Schritt in die richtige Richtung, bis zur Zielgeraden müssen allerdings noch einige Meter zurückgelegt werden. Denn noch können die farbigen Displays nicht gegen LCD und Co antreten. Der mäßigen Farbbildqualität und den rudimentären Übergangseffekten stehen hohe Anschaffungskosten gegenüber. So liegen Kosten für einen 32“ Farb-ePaper-Screen bei circa 4200 Euro und sind damit um ein Vielfaches höher als der Anschaffungspreis eines LCD-Bildschirmes der gleichen Größe.

Ob oder bis ePaper Displays im Digital Signage Bereich vollständig Fuß fassen, wird wahrscheinlich noch einige Zeit vergehen. Denn es besteht aktuell noch Verbesserungspotenzial. Doch bieten diese sparsamen Geräte in einigen Anwendungsbereichen eine Alternative, insbesondere als Nischenprodukt da, wo rechtliche Vorgaben den Einsatz von LCD und LED unterbinden.

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